Diagnose Psittakose

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    • Diagnose Psittakose

      Kurze Vorgeschichte: Unsere sieben Nymphensittiche kränkelten seit Monaten herum. Im Juli 2006 war bereits Artorius an schwerer Atemnot gestorben, seit Oktober 2006 keuchte ein weitere Vogel, den wir aber mit Lamisil und später auch Ketoisidin symptomfrei tropfen konnten. Kaum war Jadzia „gesund“, fing Francis an, danach Jonathan und schliesslich Pigwidgeon.
      Die Therapie mit Ketoisidin schlug zwar immer an und wir gingen von einer Aspergillose aus, aber was uns sehr spanisch vorkam, war die Tatsache, dass immer ein Vogel nach dem anderen erkrankte. Auch bei einer Krankheit wie Aspergillose, die nicht ansteckend, sondern durch äußere Umwelteinflüsse bedingt ist, hätte der Ausbruch etwa zeitgleich erfolgen müssen. Zumal wir Halter keine Schimmelpilzquelle im Wohnzimmer entdecken konnten.

      Schliesslich wechselte ich entnervt zum dritten Mal innerhalb drei Monaten den Tierarzt, weil alle etwas ratlos waren. Die neue Tierärztin, die als sehr voegelkundig gilt, liegt 60 km von meinem Wohnort entfernt.
      Und just an dem Morgen des TA-Termins hatte Pigwidgeon neben seinem Keuchen auch noch ein rotes Auge.
      Die neue TÄ brachte einen völlig neuen Verdacht ins Spiel: Psittakose.
      Sie nahm einen Abstrich vom Auge und von der Kloake und schickte alles ins Labor. Spätestens nach drei Tagen wollte sie sich melden.
      Ich las alles über Psittakose nach, und war mir sicher: das haben meine nicht. Zwar waren die Symptome recht klassisch: Bindehautentzündung, struppeliges Gefieder (liegt bei Pick schon immer vor, er ist einfach unser Zuzzel), Atemnot ohne klare Diagnose. Zudem Artorius’ Tod, der ja eine chronische, einseitige Bindehautentzündung hatte, bei dem wir aber nie eine definierte Todesursache erfahren hatten.
      Trotzdem: unsere letzten Neuzugänge lagen 4 Monate zurück, und Artorius war vor den Neuzugängen gestorben, und mein Gefühl sagte mir ganz tief drin: die haben das nicht!
      Als ich am Mittwoch von der TÄ angerufen wurde, stand ich gerade oben auf einer Leiter und hängte ein Bild ab. Der Sturz war tief und hart: das Labor hatte in Pigwidgeons Auge Chlamydien gefunden. An der Kloake wurden keine Chlamydien festgestellt, was etwas seltsam sei, denn eigentlich würden Chlamydien darüber ausgeschieden.
      Nichts desto trotz, die TÄ müsse jetzt das Vet.-Amt anrufen.

      Nach nur 20 min rief eine wirklich freundliche Dame vom Vet.-Amt bei mir an. Sie wolle uns mal besuchen und die weitere Lage besprechen. Ich solle über Nacht eine Sammelkotprobe sammeln und direkt am nächsten Morgen mit der Behandlung der Tiere anfangen.

      Am nächsten Morgen kam die Frau vom Vet.-Amt und wir besprachen folgendes:
      - Wir sollten 14 Tage lang Baytril wie vom TA vorgeschlagen geben, ins Trinkwasser und übers Futter. Kein anderes Futter oder Wasser reichen, nicht duschen, nicht baden. (Hierzu muss ich sagen, dass ich mich damit sehr sehr unwohl gefühlt habe. Ich habe meine TÄ mehrmals gefragt, ob ich es nicht oral geben soll. Kurz danach erfuhr ich von einem Fall, wo die Behandlung von Dutzenden von Vögeln übers Futter fehlgeschlagen ist und anschliessend noch gespritzt werden musste.)
      - Die Vögel dürften nur im Wohnzimmer bleiben, das wir desinfizieren müssten mit Venno Vet 1 (das ist ein Desinfektionsmittel, das in der Landwirtschaft, bspe. In Pferdeställen angewandt wird), und zwar drei Mal im Laufe der Behandlung
      - Keine Besucher im Wohnzimmer, wir sollten Schutzanzüge (aus dem Baumarkt) und Mundschutz im Wohnzimmer tragen und das an der Tür ablegen
      - Wir durften, da wir selber umziehen wollten, die Tiere nach ca. einer Woche AB-Behandlung in das neue Haus umziehen, dort aber nach Möglichkeit in einen gekachelten Raum umziehen (sie kamen dann dort ins größte Bad).
      - Wir sollten mit den Schutzanzügen nicht durch unseren Kurort rennen und auch nicht mit der Presse sprechen, weil sonst die Bevölkerung Angst wegen der aktuellen Vogelgrippe hätten...

      Wir befolgten in den folgenden Wochen die Ratschläge, Pflichten und Tipps des Vet.-Amtes, der TÄ und vieler netter Bekannter, die auch schon mal mit Psittakose gekämpft hatten.
      Zwischendurch, just am 24.12., ging uns das zu knapp bemessene Baytril aus, worauf wir eine wahre Odyssee unternahmen, um neues zu bekommen. Die Vögel entwickelten einen völlig neuen Appetit und fraßen trotz bitterem Geschmack viel mehr Futter als wir ausgerechnet hatten.
      Auch wirkten sie alle weniger schlapp, wir hatten dein Eindruck, das AB wirkt.
      Anfangs guckten sie noch etwas betröpfelt aus der Wäsche, im Bad gefiel es ihnen trotz ganztägigem Freiflug nur bedingt, da es beim Schreien furchtbar schalte. Mit der Zeit wurden aber die Tapeten entdeckt und man beschäftigte sich ausführlich mit Anknabbern...

      Nach drei Wochen Baytril-Füttern, putzen, putzen, putzen und vielen Nerven, Tränen und Angst kam dann das amtliche Ergebnis: negativ! Ein Professor hatte 21 Tage lang versucht, eine Chlamydie in unserem Sammelkot, den wir vor Behandlungsbeginn dem Vet.-Amt eingereicht haben, zu entdecken – ohne Erfolg.
      Annika

      ohne Nymphen im Haus, aber fünf ehemals eigenen verstreut in Deutschland
      und Jonathan, Francis, Sydney und Artorius für immer im Herzen