Diagnose: Psittakose und was danach geschah

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    • Diagnose: Psittakose und was danach geschah

      Hallo zusammen,

      ich wollte schon lange einmal einen Bericht darüber schreiben, wie es war, als bei uns im Schwarm Psittakose diagnostiziert wurde.

      Teil 1 - Herbst 2006:
      Angefangen hat alles im Herbst 2006. Zu diesem Zeitpunkt bestand unser Schwarm aus 5 Nymphensittichen (Tarzan, Caruso, Quaxi, Flöckchen, Sonny). Wir waren der Meinung, es sind alles Hähne. Nach einiger Beobachtung und nachlesen hier im Forum und Wegweiser, fanden wir jedoch heraus, daß unsere Sonny eine Henne ist. Da wir ihr das nicht antun wollten, die einzige Henne unter lauter Kerlen zu sein, haben wir noch eine Henne dazugeholt, unsere Cindy. Sie kam Ende September 2006 aus einem Zoogeschäft zu uns.

      Mtte Oktober bemerkte ich bei Caruso ein leicht gerötetes Auge. Als das Auge einen Tag später noch röter geworden war und ich den Eindruck hatte, daß er es nicht mehr richtig öffnet, sind wir mit ihm zum vogelkundigen Tierarzt gefahren. Da Flöckchen auch ziemlich schlapp aussah und uns nicht so ganz in Ordnung schien, haben wir ihn gleich mitgenommen.

      Der Tierarzt hat dann eine 3-Tupferprobe genommen, und diese wurde ins Labor geschickt zum PCR-Test. Sowohl Flöckchen als auch Caruso bekamen eine Baytril Injektion verpasst. Bereits nach zwei Tagen war dann der positive Chlamydien-Befund da, und wir bekamen einen Anruf unseres Tierarztes mit der Diagnose Psittakose.

      Ich war erst mal völlig am Ende mit meinen Nerven! Noch nie hatten unsere Vögel eine ernsthafte Erkrankung gehabt, und ich wusste überhaupt nicht, wie man damit umgeht. Dann noch die Unklarheiten mit dem Veterinäramt, eine Psittakoseverordnung, in der steht, daß die Tiere unter Umständen auch getötet werden müssen, ich war wirklich völlig fertig!

      Zuerst habe ich dann am abend mit meinem Tierarzt telefoniert. Er schlug vor, die Behandlung mit Baytril durchzuführen, und den Tieren das Mittel täglich in den Schnabel einzuträufeln, also die orale Gabe. Das konnte ich mir gar nicht vorstellen, da unsere Vögel alle nicht zahm waren (und sind). Ich habe dann gesagt, daß das nicht ginge, ob es denn auch andere Möglichkeiten gibt. Er sagte mir, daß man das Baytril auch über das Trinkwasser geben kann, aber daß man nicht sicher sein kann, ob es dann hilft. Da ich riesige Bedenken hatte, das Baytril oral zu verabreichen, habe ich dem Vorschlag der Trinkwassergabe zugestimmt, was sich im Nachhinein als großer Fehler herausgestellt hat. :tztz:

      Am nächsten Vormittag habe ich dann das Veterinäramt in unserem Landkreis angerufen. Die Amtstierärztin dort kannte sich mit Psittakose bei Sittichen gar nicht aus und wusste auch nicht, wie man das behandeln muss. Sie hat mich diesbezüglich an meinen Tierarzt verwiesen. Meine Fragen zum Thema Desinfektion des Wohnzimmers, in dem die Tiere ja leben, konnte sie auch nicht beantworten, sie schlug lediglich vor, die Tiere in einem anderen Raum unterzubringen, den man leichter reinigen kann. Auch dies konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, und habe es deshalb abgelehnt. Es wurde dann vereinbart, daß wir am 5. und am 10. Tag nach Ende der Antibiotikabehandlung eine Kotprobe an das Veterinäramt einschicken sollten, um zu prüfen, ob die Psittakose aus unserem Bestand wieder verschwunden ist. Entsprechende Behälter zum Einsenden der Kotproben hat mir das Veterinäramt in einem Umschlag zugesandt. :nixw:

      Nachmittags bin ich dann zu meinem Tierarzt gefahren, um das Antibiotikum abzuholen. Er hat mir dann die Dosierung aufgeschrieben, und mir den Tipp gegeben, beim Reinigen der Voliere eine Staubmaske zu tragen, um keine Kotpartikel einzuatmen. Gleichzeitig hat er aber auch darauf hingewiesen, daß die Infektion eines Menschen nur sehr selten vorkommt, wogegen Psittakose bei Sittichen und Papageien immer wieder auftritt. Leider konnte auch er mir keine Tipps zur Desinfektion geben, da waren wir auf uns gestellt... :nixw:

      Wir haben dann die Behandlung über das Trinkwasser durchgeführt, wie mit dem Tierarzt besprochen. Jegliches Frischfutter wurde vom Speiseplan gestrichen, damit die Kleinen auch brav ihr Wasser trinken, was ihnen aber sichtlich nicht geschmeckt hat, denn Baytril schmeckt nicht lecker. Wir haben auch alle Kalksteine, Mineralblöcke und ähnliches aus dem Käfig genommen, da Calcium wohl irgendwie einen Teil des AB binden soll. Beim ersten Reinigen der Voliere (mit Staubmaske) haben wir den Vogelsand durch Buchenholzgranulat ersetzt, um auch hier keinen Kalk zuzufüttern und um die Staubbelastung im Raum zu reduzieren. Nachdem wir die Voliere zum ersten Mal geputzt hatten, haben wir das gesamte Wohnzimmer gereinigt, alles feucht staubgewischt, alles waschbare gewaschen und sämtliche Vogelspielzeug entfernt und grösstenteils weggeworfen. Danach haben wir die Voliere etwa alle zwei Tage geputzt und das Wohnzimmer in Etappen ständig versucht staubfrei zu halten. Die Vögel hatten "Hausarrest", mussten also auch beim Putzen in der Voli bleiben, was ihnen nicht gefiel.

      Das entzündete Auge bei Caruso war nach 3-4 Tagen wieder völlig in Ordnung und den Quietschern ging es zunächst eigentlich ganz gut :hmm: .

      Etwa 10 Tage nach Beginn der Antibiotikagabe, also Ende Oktober stellten wir bei Flöckchen fest, daß er sehr schlapp und aufgeplustert herumsaß. Wir haben ihn dann in einen kleineren Käfig gesetzt, und ihm Rotlicht angeboten. Dort haben wir dann bemerkt, daß er auch kaum etwas fressen mochte. Wir brachten ihn dann wieder zum Tierarzt, gemeinsam mit Tarzan und Quax, die uns beide auch nicht so fit erschienen, aber wenigstens gefressen haben. Der Tierarzt konnte bei Flöckchen nichts Konkretes feststellen und injizierte ihm nochmal zusätzlich Baytril. Ebenso bei Quax und Tarzan. Ratlos fuhren wir wieder nach Hause. ;(

      Wir haben dann über eine Woche lang versucht, Flöckchen zum Fressen zu bewegen, leider ohne großen Erfolg. Immer wieder mal fraß er normal, dann aber wieder wenig, und er war ziemlich schlapp.
      Die Antibiotikabehandlung war dann ja abgeschlossen, und wir hatten die Hoffnung, daß sich der Zustand dadurch wieder bessern würde. Als ich dann Anfang November einmal von der Arbeit nachhause kam, saß Flöckchen in seinem Käfig auf dem Boden. Ich dachte mir sofort, daß das kein gutes Zeichen ist. Wir fuhren am nächsten Tag wieder zum Tierarzt, und der behandelnde Arzt zog seine Kollegin hinzu, die noch mehr Erfahrung mit Vögeln hat als er (was wir leider erst da erfahren haben). Sie vermutete Leberprobleme und dadurch gestörter Stoffwechsel, machte uns aber nicht viel Hoffnung, daß Flöckchen noch geholfen werden könne. Beim Abtasten stellte sie fest, daß er sehr abgemagert sei, aber seine Organe teilweise leicht geschwollen. Röntgen und Blutabnahme traute sie sich nicht, da der Vogel schon zu schwach sei. Sie hat ihn dann mit Kropfsonde ernährt, damit er möglichst wieder zu Kräften kommt, um dann wieder selber fressen zu können, bzw. um dann weitere Untersuchungen durchzuführen. Wir fassten am Abend wieder Hoffnung, als Flöckchen wieder etwas frass, aber am nächsten Morgen schied er anstatt Kot den gesamten Futterbrei, den er per Kropfsonde bekommen hatte, unverdaut wieder aus. Als wir dann wieder bei der Tierärztin ankamen, riet sich uns dazu, Flöckchen zu erlösen, um ihn nicht tagelang verhungern zu lassen. Sehr schweren Herzens stimmten wir dem zu, wir waren am Boden zerstört und weinten die ganze Nacht... :weinen:

      Leider fürchte ich heute immer noch, daß Flöckchen vielleicht hätte gerettet werden können, wenn wir uns damals anders verhalten hätten. Wir hätten nicht so lange versuchen sollen, ihn zuhause zum Fressen zu bewegen. Die Ratlosigkeit unseres damaligen Tierarztes hätte uns stutzig machen müssen, wir hätten schon damals nach einer zweiten Meinung suchen müssen, da eigentlich bei ihm keine vernünftige Erklärung für seinen Zustand gefunden wurde. Ob es etwas geändert hätte, weiß ich allerdings nicht, aber heute würde ich mich anders verhalten, und notfalls auch 200km mit dem Vogel fahren, um in einer anderen Stadt zu einem Facharzt für Ziervögel zu gehen.

      Die Kotproben, die wir am Ende der Antibiotikabehandlung an das Veterinäramt geschickt haben, kamen beide negativ zurück, und wir glaubten uns in Sicherheit.

      Anfang Dezember bemerkten wir dann bei Tarzan und bei Quax, daß sie Probleme beim Atmen hatten. Es wurde bei beiden Pilze in den Atemwegen festgestellt, worüber ich hier berichtet habe: Pilzerkrankung der Atemwege

      Nachdem wir dann kurz nach Weihnachten also auch noch Quax verloren hatten, haben wir uns Anfang Januar 2007 entschlossen, wieder einen Vogel hinzuzuholen. Da Tarzan ja schon sehr alt war und alleine lebte, blieb Caruso mit den zwei Mädels Cindy und Sonny alleine. Also musste noch ein Hahn dazu, und so holten wir uns Zorro aus dem Zoogeschäft. Da wir kein Risiko eingehen wollten, haben wir ihn zuerst zum Tierarzt gebracht, um dort eine Tupferprobe zu entnehmen. Diese wurde eingeschickt, und sollte u.a. auf Psittakose untersucht werden (per PCR-Test). Wir hatten dann vor, Zorro erstmal nicht zu den anderen zu lassen, aber da sich Zorro wie ein Verrückter benahm, als er die anderen gehört hat, haben wir ihn dann doch schon dazugesetzt, bevor der Befund aus dem Labor da war. Der Befund kam negativ zurück und wir dachten, alles ist in Ordnung.

      Teil 2 - Frühjahr 2007:
      Nach einigen Tagen hatte Zorro jedoch ein entzündetes Auge. Wir fürchteten das schlimmste und fuhren zum Tierarzt. Dieser diagnostizierte eine Bindehautentzündung, da ja ein negativer PCR-Test auf Chlamydien vor ein paar Tagen gemacht wurde. Wir bekamen Augentropfen mit und haben diese täglich zweimal ins Auge geträufelt. Trotzdem ging die Entzündung nicht richtig weg, und nach einigen Tagen hatte Zorro auch angefangen, beim Atmen merkwürdige Geräusche zu machen, eine Art Keuchen, das für mich wie Husten klang.

      Wir fuhren abermals zum Tierazt, und es wurde nochmal eine 3-Tupferprobe entnommen und eingeschickt. Zu unserem Entsetzen wurden nun Chlamydien bei Zorro diagnostiziert. Wir waren völlig geschockt und sehr verängstigt, hatten wir doch beim letzten Mal einen Vogel während und einen nach der Behandlung verloren.

      Diesmal wollte unsere Tierärztin mit Doxycyclin spritzen, was mir nicht so sehr gefiel, da es ein Risiko der Nekrosenbildung dabei gibt, das ich nicht so recht einschätzen konnte. Ich habe dann mit einer anderen Tierarztpraxis, die anerkannte Vogelspezialisten sind, telefonisch Rücksprache gehalten, und man riet mir, es nochmal mit Baytril zu versuchen, diesmal oral. Meine Tierärztin vor Ort stimmte dem Rat zu, und wir entschieden uns, es so zu versuchen.

      Ich muss dazu sagen, daß auch hier das Veterinäramt nicht helfen konnte, aber jederzeit von mir über unsere Entscheidungen und Therapien unterrichtet wurde. Ich habe dann mit dem Veterinäramt vereinbart, die Kotproben diesmal erst viel später einzusenden, da so kurz nach der Antibiotikagabe laut meiner Tierärztin mit grösster Wahrscheinlichkeit sowieso nichts dort gefunden werden kann. Also haben wir uns auf den 15. und den 20. Tag nach Ende der Antibiotikagabe verständigt.

      Ausserdem entschieden wir uns, die Vögel im Gästebad unter dem Dach unterzubringen, um eine besserer Quarantäne herzustellen, und auch um alles besser säubern zu können. Das teilte ich dem Veterinäramt natürlich auch mit.

      Beim Tierarzt bekam ich dann also das Baytril, die Kochsalzlösung zur Verdünnung, die notwendigen Spritzen zum täglichen Aufziehen der Lösung (also 21 1ml-Spritzen) und die Kanülen dazu. Die Dosierung wurde aufgrund des Gewichtes der Vögel ausgerechnet, und exakt aufgeschrieben.
      Zuhause packten wir alle Vögel in Transportboxen, räumten das Bad leer, schleppten den Käfig hinauf und fingen erstmal an zu putzen. Der Käfig war unsere damalige Voliere, die mit 45cm Tiefe und 80cm Breite gerade so eben in das Badezimmer passte. Jedes Mal habe ich den Käfig zur Reinigung erst gewaschen, anschliessend mit Bactazol eingesprüht, dann nochmal gewaschen. Das Ganze zweimal wöchentlich, wobei die Vögel zu dieser Zeit in Transportboxen im Nebenzimmer untergebracht wurden. Zusätzlich haben wir den Käfig dann auch noch alle zwei Wochen mit dem Dampfreiniger gesäubert. Wenn ich hier Käfig schreibe, meine ich natürlich auch alles Zubehör darin.

      Die Antibiotikagabe oral war im Nachhinein leichter, als ich mir das vorgestellt hatte. Wir haben die Vögel morgens im Dunkeln eingefangen. Ich trug beim Einfangen dunkle Handschuhe, damit sie meine Hände nicht sehen konnten. Dadurch wurde es etwas erleichtert. Sonny und Cindy schrien jedesmal, als ob sie gleich geschlachtet würden. Das Einträufeln des Baytril in den Schnabel hat mein Mann dann gemacht, er musste jedem Vogel 0,1ml aus einer 1ml-Spritze eingeben. Das ist nur ein kleiner Tropfen. Damit die Vögel, vor allem Zorro, das Baytril auch geschluckt haben, habe ich anschliessend mit einem Finger den Unterschnabel zugehalten, daß sie es nicht gleich wieder ausspucken konnten. Das hat zwar Proteste hervorgerufen, aber ganz gut geklappt.

      Wir haben den Vögeln in der Zeit jeden kulinarischen Wunsch erfüllt, es gab Kochfutter, Gemüse, Keimfutter, Kolbenhirse, alles was das Herz begehrt, nur keine Kalksteine. Natürlich war unsere Sorge, daß wieder einer den Appetit verlieren könnte, und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich immer war, wenn ich Kochfutter serviert habe, und alle haben reingehauen... :yes:

      In der Zwischenzeit haben wir das ganze Wohnzimmer auf den Kopf gestellt, alles gereinigt, den Teppich nass gereinigt, das Sofa zig-mal mit einer Polsterdüse gesaugt etc. etc.

      Die Antibiotikabehandlung ging von Anfang bis Ende Februar. Den gesamten März hindurch blieben unsere Geier in Quarantäne. Am Gründonnerstag 2007, das war Anfang April, bekamen wir den Bescheid, daß unsere zweite Kotprobe auch negativ war. Nun durften unsere Geier endlich wieder zurück in ihre gewohnte Umgebung und auch wieder fliegen. Wir waren sehr erleichtert, daß alles ausgestanden war, und wir endlich wieder in ein "normales" Vogelleben blicken konnten. :dance:

      Fazit:
      Was haben wir schlussendlich daraus gelernt:
      - keine Antibiotika ins Trinkwasser
      - nur zu einem guten vogelkundigen Tierarzt
      - manchmal auch eine zweite Meinung einholen
      - wenn es einem Vogel nicht gut geht, nie warten und hoffen, sondern im Zweifel immer zum Tierarzt
      Liebe Grüße von
      Monika mit Zorro :top: und Sonny :cool2: